Manchmal müssen wir ruhig werden, um die Wahrheit zu sehen

Wir denken, dass wir uns unglaublich anstrengen müssen, um das zu erreichen, was uns wichtig ist. Das führt zu Stress, wir rennen durch unseren Tag, um alles zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Zudem ist der Glaube weit verbreitet, dass alles, was uns wichtig ist, erkämpft werden muss. Weit gefehlt.

Das Gegenteil ist der Fall! Das, was wir brauchen, braucht auch uns – und wenn wir uns nur die Zeit und Ruhe geben, einmal inne zu halten und in uns hinein zu hören, dann merken wir das auch. Ein schönes Beispiel ist das Ziel innerer Frieden. Wir alle wünschen uns innere Ruhe, Entspanntheit, möchten gelöst und locker durchs Leben gehen, cool und geschmeidig auf das reagieren, was uns begegnet. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der gerne gehetzt, gestresst, sorgenvoll und ängstlich vor der Zukunft sein möchte. Trotzdem ist es so, dass die meisten Menschen eher von Angst als von Freude, eher von Sorgen als von Zufriedenheit und eher von Stress als von Entspanntheit geprägt sind. Der Weg zu innerer Ruhe führt aber leider nicht über Bemüht-Sein. Wir können uns noch soviel ernsthafte Mühe geben, Ruhe wird sich nicht einstellen. Innere Ruhe habe ich erst gefunden, als ich aufgehört habe, danach zu suchen. Wie das passiert ist? Sie hat sich einfach eingestellt, als ich regelmäßig meditiert habe. Sozusagen in zwei Stufen, denn zuerst bin ich der Fehlvorstellung aufgesessen, meditieren ginge nur dann richtig, wenn ich gar nichts mehr denken würde dabei. Das ist mir leider nicht gelungen. Ich habe mich gesetzt, und entweder habe ich alles Mögliche und Unmögliche gedacht, oder ich bin eingeschlafen. Den großen inneren Frieden dazwischen gab es nicht. Bis mir meine wunderbare Yogalehrerin erklärt hat, dass es bei der Meditation gar nicht darum ginge, das plappernde Affenhirn zu disziplinieren, sprich, zum Schweigen zu bringen, sondern darum, es zu beobachten und damit zu beherrschen. Sehr geholfen hat mir das Bild, an einem Fluss zu sitzen, in dem ich alle aufkommenden Gedanken vorbeiziehen lassen kann wie kleine Boote. Andere benutzen das Bild der ziehenden Wolken oder schicken die Gedanken aus dem Raum in ein Wartezimmer bis nach der Meditation. Als ich das verstanden hatte, wurde mein Leben insgesamt ruhiger. Ich war gelassener. Freundlicher mit mir und mit anderen. Das war so lebensverändernd, dass ich freiwillige eine Stunde vor der Aufstehzeit aufstehe, um diese Stunde mit mir zu verbringen. Und das tut mir so gut, dass ich den Rest des Tages dann glücklicher und entspannter bin als vorher.

Ich habe diese innere Ruhe also durch Innehalten erreicht. Ein Innehalten, das uns allen mehrmals am Tag gut tut. Es ist schön, draußen zu sein und Blumen anzuschauen, statt sie zu fotografieren und irgendwo zu posten. Es ist schön, mal eben das Wetter und die Umgebung aufzunehmen bei der Wartezeit auf den Bus, anstatt das Smartphone aus der Tasche zu ziehen und Nachrichten zu checken. Diese Beispielsreihe könnte ich endlos fortsetzen, aber ihr habt es schon, denke ich.

Lasst uns diese Woche so oft wie möglich innehalten und fühlen, was ist. Ihr werdet merken, wie gut das tut und was euch das alles bringt an Geschenken, mit denen ihr gar nicht gerechnet hättet.