Schamanisches Leben XV: Wie verändern wir unser Leben?

Veränderungsprozesse folgen einem bestimmten Schema, und zwar alle. Wenn es ausnahmsweise so aussieht, als sei das nicht der Fall, dann sind bestimmte Schritte schon unbewusst vorweggenommen oder nachgeholt worden. Deswegen werde ich das jetzt mal im Einzelnen anhand eines wunderbaren Beispiels meiner Lehrerin Amina Meineker beschreiben.

Zunächst befinden wir uns in einem gewohnten, dem integrierten Zustand. Integriert bedeutet, dass wir aufgrund von eigenen Entscheidungen und/oder Umständen und/oder Entscheidungen, die andere für uns getroffen haben, in einem Zustand leben, der uns vertraut ist und den wir mögen. So ist es beispielsweise, wenn wir von Kind an gelernt haben, uns die Zähne mit einer normalen Handzahnbürste zu putzen. Unsere Eltern haben das so gemacht, unsere Geschwister, unsere Freunde, es ist normal und gewohnt und wir tun es einfach so, dreimal am Tag. Klar wissen wir, dass es andere Möglichkeiten gibt, wir haben schon elektrische Zahnbürsten gesehen, aber es interessiert uns zunächst nicht. Bis zu dem Abend, an dem eine gute Freundin, deren Meinung wir schätzen, uns total begeistert von ihrer elektrischen Schallzahnbürste erzählt, die sie sich auf Anraten ihres Zahnarztes (oder wessen auch immer) gekauft hat und die die Zähne soviel sauberer/glatter/weißer macht, und das auch noch viel müheloser und schneller, Wir treten in die Phase der Differenzierung ein, in der wir die bestehenden Umstände in Frage stellen. Sollen wir es auch mal versuchen? Was kostet denn sowas? Gibt es Platz dafür? Ist es praktisch? Was passiert auf Reisen? Kann man sie einfach so mitnehmen? Wo gibt es das? undsoweiterundsofort. Das ist verunsichernd, nicht sehr angenehm. Wir verlassen ja die gewohnte Komfortzone und betreten Neuland. Schließlich entscheiden wir uns dafür, es zu tun. Dann setzen wir unsere Entscheidung um, gehen zum Mediamarkt, kaufen ein vorher ausgewähltes Modell besonders günstig und gut ausgestattet. Bringen sie nach Hause, packen sie aus, suchen ihr einen Platz im Badezimmer, benutzen sie die ersten Male, genießen das unglaublich saubere Gefühl, wenn wir mit der Zunge über die Zähne streichen, gewöhnen uns nach und nach an das Geräusch und die Schwingungen. Bis wir die neue Gewohnheit integriert haben und der Entwicklungskreis sich wieder mit der Integration schließt.

Nun ist dieser Prozess bezüglich der neuen Schallzahnbürste natürlich nicht dramatisch, sondern eher amüsant. Viel spannender ist es, lebenslange Angewohnheiten bis hin zu tiefen Glaubenssätzen zu ändern, das kann schon mal sehr ans Eingemachte gehen. Ich erlebe bisweilen ein tiefes Gefühl der Fremdheit bis hin zu den Fragen, wer ich eigentlich bin und was ich hier mache. Neue Wege machen Angst und wollen daher vorsichtig begangen sein. Aber auch konsequent. Die Buddhisten sagen, dass es vierzig Tage braucht, bis eine neue Gewohnheit, egal wie toll man sie findet, sich eingeschliffen hat, selbstverständlich geworden ist. Deswegen singen Buddhisten ihre Mantren immer vierzig Tage. Und deswegen gebe ich meinen Klienten auch ihre „Hausaufgaben“, die ihnen helfen sollen, das Neue nicht zu vergessen und ihm einen angemessenen Platz in ihrem Leben zu geben, auch immer für mindestens vierzig Tag. Dann haben sie die Möglichkeit der Integration und verbleiben nicht zu lange in dem Zustand der Differenzierung, der wirklich quälend sein kann.

Und dann kann die nächste Differenzierung eintreten undsoweiterundsofort…

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