Zusammensein mit anderen ist wunderbar, aber manchmal ist Alleinsein noch besser.

Gibbons hat sinngemäß gesagt, Konversation erhöhe die Einsicht, aber das Alleinsein sei der Schlüssel zum Genie. Das hört sich erstmal seltsam an, denn schließlich finden die meisten von uns ihr Glück im liebevollen und anregenden Kontakt mit anderen.

Was Gibbons meint und was auch ich erlebe, ist, dass es manchmal dringend nötig ist, alleine zu sein. Alleine mit mir. Alleine mit meinen Gedanken, meinen Gefühlen, und ja, auch den offenen Fragen des Lebens. Wo stehe ich, wo will ich hin, was steht an, was ist die nächste Aufgabe, wie packe ich das an, was ist jetzt nötig. Nur in der Stille, in der Ruhe mit mir selbst komme ich an die Antworten auf diese Fragen, die auf meinem Weg so wichtig sind.

Ich rede gerne mit anderen, jede/r, die/der mich kennt, wird das bestätigen. Vielleicht manchmal sogar zu viel, obwohl das besser geworden ist. Und ich finde es nach wie vor auch sehr wichtig, sich mit anderen auszutauschen, insbesondere mit denen, die sich auch auf den schamanischen Weg gemacht haben. Wir nennen uns nicht umsonst Schamanenbrüder und Schamanenschwestern, denn wir sind alle auf eine tiefe Weise verbunden. Trotzdem ist das Alleinsein wichtig, nicht als Kontrast zu der Gemeinschaft, sondern als Ergänzung, aber mindestens ebenso wichtig. In der Stille komme ich zur Ruhe. In der Stille kann ich die Stimmen hören, die ich jetzt brauche – sonst dringen die oft gar nicht zu mir durch. Da ist dann soviel Action, Geschnatter, Anforderung, Nach-außen-Gerichtet-Sein, dass ich nichts mehr höre.

Noch besser als alleine sein ist alleine in der Natur sein – und wer noch einen drauflegen will, bewegt sich dabei. Es ist relativ egal, ob dies auf dem Rad, zu Fuß oder laufend passiert – Hauptsache lange Bewegung an der frischen Luft und in der Natur. Die Konzentration auf die Bewegung in Kombination mit der unfehlbaren Wirkung der freien Natur lässt das Affengehirn verstummen und unsere wahre Stimme erklingen. Die singt das Lied unseres Lebens, nur unseres, und deswegen ist es so wichtig, sie zu hören. Sie weist uns darauf hin, was jetzt wichtig ist, und wir tun gut daran, auf sie zu hören. Woran ihr erkennt, welche der vielen Stimmen, die wir so Tag für Tag in unserem Kopf hören, unsere eigene ist? Ganz einfach: Ihr werdet sie lieben, sie ist nämlich wunderschön, sie  ist wahr und sie ist liebevoll. Immer liebevoll. Immer. Nicht kritisch, nicht bösartig, nicht abwertend, nicht anstrengend. Sie ist wie der Klang einer Glocke, eines Windspiels am Meer oder eines Vogelrufs am Himmel, ursprünglich und wild und warm und klug.

Ich wünsche uns allen eine wunderbare Woche mit viel Kontakt zu unserer eigenen Stimme.

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