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Diese Woche wollen wir zuhören, um zu verstehen, nicht, um sofort zu antworten.

Das größte Geschenk, das wir einem Menschen machen können, ist unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Zuhören ohne eigenes Interesse, sondern im Interesse des anderen, um ihn zu verstehen, ihm nahe zu sein, in Kontakt zu treten.

Wir hören so oft gar nicht richtig zu, dann plätschern die Worte des anderen an uns vorbei, ohne eine Spur zu hinterlassen, und sind damit vergeudet, ebenso wie eine wunderbare Gelegenheit, mit einem Menschen in Kontakt zu kommen. Oder wir hören zwar zu, wenn jemand spricht, aber nicht, um ihn zu verstehen und ihm nahe zu sein, sondern um zu antworten. Das ist ein ganz anderes Zuhören, denn da geht es um die Reaktion, die Auseinandersetzung, vielleicht gar einen Streit, oder darum, sich selbst angemessen in Szene zu setzen. Auch dieses Verhalten bringt uns unserem Gegenüber nicht näher, sondern entfernt uns stattdessen immer weiter. Wir kennen das alle, dass uns jemand gegenüber sitzt, der uns zwar anschaut, aber es ist völlig klar, dass es nicht um uns geht, sondern um irgendetwas anderes – was, ist ja dann schlussendlich auch egal. Auf der anderen Seite verhalten wir uns ebenso wenig sinnvoll – wir sind gestresst, wir haben keinen Kopf für das Thema des anderen, genug um die Ohren, es passt gerade nicht, was auch immer. Auch wir hören nicht zu, gehen über andere hinweg, grätschen in die nächste Gesprächslücke, um selbst etwas zu erzählen, egal, ob uns das dem anderen nahe bringt. Selbst die Worte unserer nächsten Angehörigen sind oft nicht so wichtig wie die whatsapp, die gerade kommt, oder die neuen Nachrichten bei facebook.

Dabei wissen wir alle ganz genau, dass es nichts schöner, berührender und bereichernder ist als ein echtes Gespräch, als die Aufmerksamkeit eines Menschen, der uns hört. Die Kraft des menschlichen Ohrs wird das genannt. Und wenn wir mal nachdenken, wann es am schönsten war, kommen wir unweigerlich auf Gespräche, in denen wir nicht gewogen, beurteilt oder mit gutem Rat bedacht wurden, sondern in denen wir sprechen durften, wie wir wollten, und gehört wurden. Lasst uns das nicht vergessen, und diese Woche einmal versuchen, jeden Tag mindestens ein echtes Gespräch zu führen. Das muss gar nicht lang sein. Ich kann auch dem Gemüsehändler zuhören oder meiner Nachbarin, wenn sie etwas umständlich ausholt auf meine Frage, wie es ihr denn ginge. Ob es ein echtes Gespräch war, merkt ihr daran, dass ihr glücklich seid, zufrieden, mit euch im Reinen. Und schon bald werden fast alle Gespräche, die ihr führt, solche sein, und war in beiden Richtungen. Seltsamerweise spiegelt die Welt uns unser Verhalten…

Ich wünsche uns allen eine wunderbare Woche mit viel Geduld und Verständnis.

 

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