Schamanisches Leben XII: Wie verändere ich mich Schritt für Schritt?

Wenn ich etwas in  meinem Leben verändern will, dann reicht es ja nicht aus, sich das vorzunehmen. Okay, manchmal vielleicht schon. Es gibt Punkte, die ganz einfach zu verändern sind: die Wohnung, der Job, die Freizeitaktivitäten. Ich meinte jetzt eher Veränderungen in meinem Verhalten, meinen Reaktionen auf das, was mir so begegnet.

Wenn ich das erreichen will, dann geht das nur darüber, mir bewusst zu machen, was da jeweils gerade geschieht. Deswegen ist es so wichtig, innezuhalten und erst einmal zu beobachten. Wenn ich also jemandem begegne, der mich berührt, oft ist das ja durchaus negativ, ich ärgere mich oder fühle mich angepiekt. Dann ist es sinnvoll, innezuhalten und genau zu verfolgen, was geschieht. Erst einmal zu schauen, keinerlei reflexartigen, reaktiven Bewegungen zu machen. Ich stelle mir dann vor, ich würde spontan reagieren, so wie ich es immer gemacht habe, tue es aber tatsächlich nicht. Ich nehme wahr, wo mein Verstand hingeht, nehme wahr, wie ich mich physisch unwohl fühle, aber ich atme dabei bewusst und versuche  mich von einer tatsächlichen Reaktion abzuhalten. Ich weiß dann vielleicht nicht, was ich statt dessen tun soll, aber das ist völlig in Ordnung. Wenn ich normalerweise das Gefühl habe, ich hätte Recht und der andere auf jeden Fall Unrecht, dann denke ich darüber nach, ob das stimmt. Ich gehe mal als Arbeitshypothese davon aus, dass ich nicht alles weiß. Ich nehme einfach mal an, dass ich etwas Wichtiges nicht mitgeschnitten habe – dass der andere auch Recht haben könnte, dass seine Art für ihn völlig in Ordnung ist und nur mich negativ berührt, weil es vielleicht etwas ist, was ich nicht mag oder in mir selber nicht sehen kann.

Es ist nicht wichtig, ob ich das alles vollkommen verstehe. Es ist völlig ausreichend, innezuhalten, das Verstand-Gefühl-Körper-Verhältnis auszubalancieren, denn das reicht bereits aus, um alte Gewohnheiten aufzubrechen. Es auszuhalten, mal nichts zu tun, jedenfalls nicht das Alte, Ungeliebte, ist genug, um sich weiter zu entwickeln.

Es ist nicht leicht, es ist zunächst fremd, und es ist vor allem total ungewohnt, nicht sofort zu reagieren. Aber ihr werdet euch wundern, dass das zunächst den anderen gar nicht besonders auffällt, weil es nämlich nicht schlimm ist, nichts zu tun. Andere wissen ja nicht, was bei uns los ist, und vermissen die unmittelbare Reaktion oft gar nicht. Aber ich verspreche euch, dass es total spannend wird, was dann passiert – ihr erweitert eure Reaktionsmöglichkeiten ungeheuer. Wenn ich nicht mehr von reflexhaften Reaktionen getrieben bin, kann ich mich entscheiden, was ich tue.

Das ist Freiheit. Habt Spaß damit!

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