Schamanisches Leben X – meine Morgenmeditation

Es wird in der schamanischen Ausbildung empfohlen, täglich zu meditieren, und ich tue es auch immer. Nun ja, wie alles: Fast immer. An neun von zehn Tagen, was ich schon ganz schön gut finde.

Ich weiß aber auch, warum, denn der Tag nimmt eine andere Farbe an, wenn ich meditiert habe. Ich unterteile die Morgenmeditation in mehrere Teile. Erst mal mache ich Kerzen an, eine auf meinem Altar, eine in der Küche, damit ich kein Kunstlicht um mich habe. Derzeit geht die Sonne gerade langsam auf, wenn ich mich halb sechs aufmache. Ich koche mir eine Kanne Tee, bereite meinen grünen Saft vor, nehme meine Nahrungsergänzungsmittel.

Dann bringe ich mein Teetablett an meinen Altar und öffne den Heiligen Raum, so wie ich es gelernt habe und wie ich es euch gezeigt habe. Dann nehme ich auf meinem Kissen Platz und atme. Dafür richte ich mich auf, ich finde einen aufrechten, aber bequemen Sitz, im Schneidersitz, vielleicht mit Stützen unter den Knien, auf jeden Fall warm angezogen, manchmal noch mit einem Poncho um die Schultern, denn mein Platz soll warm und sicher sein. Ich lege die Hände hinter dem Rücken zusammen mit nach unten gerichteten Zeigefingern und stelle mir vor, dass ich Wurzeln in Mutter Erde schlage, während ich den Feueratem übe. Dabei zieht man den Atem schnell durch die Nase ein, sehr geräuschvoll, und atmet genauso stoßartig geräuschvoll durch die Nase aus. Ich zähle dabei sechzig Atemzüge, für den Anfang kann man mit zwanzig anfangen und sich langsam steigern. Danach nehme ich einen tiefen Atemzug, atme in drei Stufen ein und halte die Atemfülle, während ich mit meinem Beckenboden pulsierend Energie aus den Wurzeln, die ich in Mutter Erde habe wachsen lassen, hochziehe. Wenn es genug erscheint, atme ich aus und hebe die Hände gefaltet über den Kopf, die Zeigefinger zeigen gen Himmel. Dabei stelle ich mir vor, eine Verbindung mit der Sonne, dem Mond oder den Sternen herzustellen. Auch hier atme ich den Feueratem, atme dann vollständig aus und pulsiere in der Atemleere Energie hinunter zu mir. Wenn es genug ist, atme ich aus. Das wiederhole ich noch zweimal, wobei ich die Länge des Feueratems im zweiten Durchgang auf jeweils neunzig und im dritten auf jeweils hundertzwanzig steigere. Aber wie gesagt, vorsichtig steigern.

Nach diesen Durchgängen sitze ich, genieße die gewonnene Energie, nähre mit dieser meine Krafttiere, meine Chakren mit ihren Archetypen, meine Schutzbänder und spreche das Verbindungsgebet aho mitakuye oyasin sowie Gebete für die Menschen, die mir am Herzen liegen. Ich nähre auch meine Mesa und meinen Altar.

Wenn ich das Gefühl habe, dass es genug ist, oder wenn die Zeit drängt, schließe ich den heiligen Raum und beginne meinen Tag. Vielleicht versucht ihr es auch einmal, so oder so ähnlich oder ganz anders – jedenfalls ist Meditation eine wunderbare Gelegenheit, sich zu erden und zu verbinden.

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