Schamanisches Leben VI: Was bedeutet für uns Heilung?

Heilung kann ja vieles bedeuten – die Beendigung von Krankheit und Schmerz ebenso wie das Annehmen der Umstände oder den Ausgleich widerstreitender Interessen in einem selbst, die Versöhnung mit Verletzungen und der eigenen Geschichte – wenn ich das so aufschreibe, wird mir klar, dass Heilung vermutlich für jeden Klienten eine andere, individuelle Bedeutung hat.

Mein verehrter Lehrer Alberto Villoldo sagt: Heilung ist nicht weniger als das Erwachen zu einer Vision unserer geheilten Natur und das Erleben der Unendlichkeit. Das bedeutet, dass Heilung unendlich viel mehr ist als die Beseitigung von Krankheitssymptomen oder Unwohlsein oder unguten Gefühlen. Erst einmal ist klarzustellen, dass die Schamanin zwar eine Heilerin ist, aber dass sie nichts beseitigt, in Ordnung bringt oder gar entfernt. Vielmehr sind wir eher Hebammen der persönlichen Entwicklung. Wir helfen unseren Klienten, ihre Stärke zu finden, aus der heraus dann Lösungen für ihre Fragen und Probleme möglich sind, die zuvor nicht mal denkbar waren. Alberto Villoldo lehrt uns, seine Studenten, den heiligen Raum für all die guten Kräfte des Universums zu öffnen, wenn wir arbeiten, und dann zur Seite zu treten. Warum zur Seite treten? Damit alles zugunsten des Klienten wirken kann. Es ist nicht meine Aufgabe, dem Klienten sein Leben zu erläutern, seine Probleme zu erklären und ihn anzuweisen, wie sie/er sie lösen kann. Das wäre übergriffig und unangemessen. Nein, wir helfen unseren KlientInnen, ihren persönlichen Weg der Heilung zu gehen. Ihre Sicht zu finden. Zu erkennen, dass Probleme, deretwegen sie gekommen sind, hilfreiche Hinweise auf Unstimmigkeiten in ihrem Leben sind, die sie auf den Weg der Heilung bringen.

Diesen Weg der Heilung gehen unsere KlientInnen selbst, wir begleiten sie gerne dabei und wir haben viele Techniken gelernt, mit denen wir hilfreich sein können. Aber die Arbeit selbst muss der/ie KlientIn selbst leisten. Niemand kann uns abnehmen, unseren Schatten anzusehen. Zu erkennen und auszuhalten, dass die Vision unseres tatsächlich heilen Selbst vielleicht ganz anders aussieht, als wir uns das zuvor in unserer beschränkten Wahrnehmung vorgestellt haben. Es ist wunderbar, das mit anzusehen und dabei mitzuhelfen. Und wenn dann noch die Erfahrung der Unendlichkeit dazu kommt, dann wird es magisch. Unendlichkeit der Welt, Unendlichkeit der Möglichkeiten, Unendlichkeit der Unterstützung, die wir erfahren und hereinrufen können auf unserem Weg. Eine unendlich tragfähige Verbundenheit mit allem.

Dann bleibt oft die erstaunte Frage nach dem Problem… Was war das nochmal?

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