Es regnet nicht, damit ich nass werde, oder wie gehe ich mit der Welt um?

 

Wir neigen dazu, alles persönlich zu nehmen. Damit meine ich, dass wir alles in Bezug zu uns setzen. Das ist ja zunächst und grundsätzlich auch völlig in Ordnung, wir sehen uns ja als Mittelpunkt unserer Welt. Wir gehen aber darüber hinaus, wir setzen alles in Bezug zu unseren Vorstellungen und Plänen. Und das stimmt nicht mehr.

Das wird unmittelbar klar, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass jeder Mensch Pläne und Vorstellungen hat – das bedeutet ja zwingend, dass dasselbe Ereignis wie zum Beispiel der Schnee, der massig heute Morgen im Garten lag, für verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Eine freut sich wie verrückt, weil ihr Kind ihr schon seit Wochen in den Ohren liegt, dass es den neuen Schlitten ausprobieren will, und kann es nicht erwarten, nämliches Kind warm einzupacken und auf dem Schlitten herumzuziehen. Die nächste ist total genervt, weil sie eine Reise mit dem Auto vorhat und sich schon vorstellen kann, wieviel schwieriger sich das mit dem Schnee gestaltet, von Bahnreisenden mal ganz abgesehen. Ich war ebenfalls begeistert, weil es einfach so schön aussieht.

Es geht uns deutlich besser mit den von uns nicht beeinflussbaren Umständen um uns herum, wenn wir sie nicht persönlich nehmen. Das heißt, sie nicht in Relation zu unseren Plänen so verstehen, als habe sich jemand den schlechten Spaß erlaubt, uns Schwierigkeiten zu machen. Stattdessen sollten wir sie betrachten als das, was sie sind. Unbeeinflussbare Umstände, mit denen wir umgehen können. Natürlich können wir das, denn wir sind flexibel und reaktionsschnell, wenn wir unsere Zeit nicht damit verplempern, beleidigt zu sein. Darüber, dass es regnet, schneit, dass das Kind krank ist, ich selbst Schnupfen habe, die Schaufel kaputt ist, es Stau auf der Autobahn gibt, undsoweiterundsofort. Je länger die Liste wird, desto absurder erscheint es mir, über einen dieser Umstände beleidigt zu sein. Und doch war ich es lange Jahre andauernd. Das hat mir den Weg zu geschmeidigen Lösungen verstellt – wie, es regnet. Na, dann ziehen wir auf dem Weg zur Kita halt Gummistiefel an und zählen die Pfützen, die Ersatzhose im Rucksack ist doch auch kein Problem. Und wenn es schneit wie verrückt, ja, dann ist das ja vielleicht auch ein Zeichen, dass ich jetzt und heute nicht fahren soll? Wenn meine Schneeschaufel weg ist, kann ich doch die Nachbarn mal ansprechen, ob sie mir ihre leihen? Und ein Stau auf meinem Weg entschleunigt diesen und gibt mir Gelegenheit hinzuführen, wie es mir geht auf meinem Weg mit meinem Ziel.

Es passiert nichts, damit ich mich ärgere. Was für eine riesengroße Erleichterung – so wichtig bin ich nicht, ein Segen, und deswegen kann ich einfach reagieren, wie ich will.

One thought on “Es regnet nicht, damit ich nass werde, oder wie gehe ich mit der Welt um?

  1. Es lebt sich auch so viel einfacher und leichter wenn wir nicht alles mit uns in Verbindung bringen bzw. wenn wir nicht den Fokus auf den evtl. „negativen“ Teil legen. Wie du schon schreibst, alles hat für jeden eine andere Bedeutung. Wie der schlaue Spruch schon sagt „es gibt immer zwei Seiten einer Medaille“ und wir entscheiden welche Seite wir sehen wollen und insofern auch wie wir reagiern wollen auf das was sich ereignet.

    ganz liebe Grüße Julia L. :))

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